Vielleicht möchten Sie vor Antritt Ihrer Karibik Kreuzfahrt etwas über die Entdeckung und die Geschichte der Karibik wissen. Hier ein kurzer Überblick:
Am 27. Oktober 1492 betreten zum erstemal Europäer den Boden einer Karibik Insel - nur sie wissen es nicht! Kolumbus, der mit der „Santa Maria" an der Nordseite Cubas gelandet ist, glaubt China erreicht zu haben und lässt die Residenz des chinesischen Kaisers suchen. Die Spanier entdecken immer mehr Inseln und den amerikanischen Kontinent. Doch es dauert einige Jahre, bis sie merken, was sie überhaupt gefunden haben. Erst 1507 taucht der neu entdeckte Kontinent mit den vorgelagerten Inseln auf einer Weltkarte auf. Der deutsche Kartograph Martin Waldseemüller zeichnet dieses Werk.
Bis 1536 sind praktisch alle Karibischen Inseln bekannt - und in spanischem Besitz. Große spanische Siedlungen gibt es aber nur auf Puerto Rico, Kuba und Hispaniola (Santo Domingo). Jetzt wittern die übrigen europäischen Seefahrer-Nationen ihre Chance. Sie wollen auch ihren Teil von der Karibik. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts geht der Kampf um die Macht in der Karibik richtig los. Zunächst ist es kein offizieller Krieg. Englische und Französische Piraten versenken reichbeladene spanische Galeonen und nehmen — so nebenbei — Karibik Inseln für ihr Mutterland in Besitz. Doch bald setzen reguläre Truppen das Werk der Freibeuter fort. Auch holländische und dänische Flottenverbände holen sich „ihre" Inseln mit Gewalt. Leidtragende sind in allen Fällen die ohnehin durch die Spanier bereits stark dezimierten indianischen Ureinwohner der Inseln. Im Verlauf der Kriege zwischen den europäischen Nationen werden sie fast vollständig ausgerottet.
Eines der unrühmlichsten Kapitel der Entdeckung und Erschließung der Neuen Welt ist die Ausrottung der karibischen Urbevölkerung und deren „Ersatz" durch Sklaven aus Afrika. Während Kolumbus noch versuchte, die Eingeborenen als Freunde zu gewinnen, wurden viele Arawak- und Carib-Indianer von den nachfolgenden spanischen Eroberern getötet oder als Sklavenarbeiter in die Goldminen von Peru, Mexiko und Hispaniola, wie Haiti damals hieß, verschleppt. Während die Spanier bei der Gründung ihrer ersten Siedlungen auf Hispaniola Ende des 15 Jahrhunderts die Zahl der indianischen Einwohner noch auf etwa eine Million schätzten, registrierten sie 20 Jahre später nur noch rund 20 000. Die späteren Machtkämpfe zwischen den verschiedenen europäischen Kolonialherren vernichteten den Rest.
Ein Bild des Sint Maarten Tourist Bureaus zeigt: Das Gesicht der Karibik ist schwarz. Eine Folge der Sklaverei!
Mit der Urbarmachung der Inseln und dem Anbau von Zuckerrohr war jedoch ein großer Mangel an Arbeitskräften entstanden. Schon 1514 wurden unter unmenschlichen Bedingungen Menschen aus Westafrika als Sklaven nach Haiti und anderen Inseln gebracht. Es wird geschätzt, dass mindestens vier Millionen Schwarze von Afrika nach den Karibischen In sein verschleppt worden sind. Dabei sind die Sklaven, die nach den mittel- und südamerikanischen Karibik-Staaten geholt wurden, noch gar nicht mitgerechnet.
Im 18. Jahrhundert werden zwar auf einigen Karibik Inseln die Lebensbedingungen der Sklaven etwas verbessert und vereinzelt werden auch die Sklaven von ihren Herren freigelassen, aber in größerem Umfang beginnt die Sklavenbefreiung erst im 19. Jahrhundert, und zwar zunächst auf Haiti. Ein Teil der ehemaligen Sklaven ist dort jedoch zunächst weiterer Unterdrückung durch die neuen farbigen Herrscher ausgesetzt. Die Sklavenaufstände auf verschiedenen Karibik Inseln führen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zum Teil zu brutalen Vergeltungsmaßnahmen gegenüber den Sklaven. Als erste europäische Kolonialmacht verbietet das britische Parlament 1834 durch den Emanzipation Act das Halten von Sklaven auf den von Großbritannien beanspruchten Karibik Inseln. 1848 wird die Sklaverei auf den französischen, 1863 auf den holländischen und erst 1886 auf den spanischen Karibik Inseln aufgehoben. Nicht alle Farbigen können jedoch gleich etwas mit ihrer neuen Freiheit anfangen und geraten in andere Formen der Ausbeutung.
In der Karibik hielt sich der europäische Kolonialismus länger als anderswo. Noch heute sind einige Karibik Inseln (allerdings meist mit Zustimmung der Mehrheit ihrer Bewohner) in englischem, amerikanischem, französischem oder holländischem Besitz. Andererseits begannen hier die Unabhängigkeitsbestrebungen wesentlich früher als etwa in Afrika oder Asien. Bereits 1803 wird Haiti nach zwölfjährigen blutigen Aufständen der Sklaven der zweite unabhängige Staat der Neuen Welt (nach den USA). 1844 erfolgt, ebenfalls auf der Insel Hispaniola, die Gründung der Dominikanischen Republik. Die Geschichte dieses Staates beweist, wie schwer es einige der jungen Nationen hatten, ihre Unabhängigkeit zu verteidigen. Spanier (1861-65) und Amerikaner (1916-24) griffen in innenpolitische Streitigkeiten ein und besetzten das Land.
Weitgehende innere Selbstverwaltung erreichten viele Karibik Inseln schon sehr früh. Auf Barbados konstituierte sich das erste unabhängige Inselparlament bereits 1639. Oft war den Inselbewohnern ihr Kolonialstatus (bei innerer Selbstverwaltung) auch gar nicht so unangenehm. Einige Inseln wurden von den Engländern gegen den Willen der Bevölkerung in die Unabhängigkeit entlassen, z. B. St. Vincent und Dominica. Auf Dominica – heute ein beliebtes Ziel vieler Karibik Kreuzfahrten - versuchte die Bevölkerung mit allen Mitteln, die Unabhängigkeit zu vermeiden. Nach dem Abzug der englischen Verwaltung bat man um Anschluss an Frankreich. Aber die Regierung in Paris lehnte dankend ab...